Alltag im Grenzland: Schmuggel als ökonomische Strategie im by Mathias Wagner, Wojciech Lukowski

By Mathias Wagner, Wojciech Lukowski

Der in den 1990er Jahren eingeleitete Wandel politischer, ökonomischer und sozialer Strukturen in den Ländern Ostmitteleuropas führte zu Prozessen ausgeprägter sozialer Differenzierung. In den Grenzregionen entwickelten die Verlierer des Transformationsprozesses eine informelle Ökonomie, zu der auch der Schmuggel gehört. Als „Ameisen“ (pol. mrówki) sind die Schmuggler von Zigaretten, Wodka, Diesel und Benzin in Polen bekannt geworden. Der Sammelband stellt internationale Forschungsergebnisse vor, in denen die prekären Bedingungen des alltäglichen Überlebens in peripheren Regionen Ostmitteleuropas analysiert werden.

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Quoten, Kurven und Profile: Zur Vermessung der sozialen Welt

Ereignisse und tendencies in Politik, Wirtschaft oder Bildung und Wissenschaft werden durch Umfragewerte, Börsennotierungen und ratings beobachtbar. Solche Zahlen¬sys¬teme fördern außerdem Möglichkeiten des Vergleichs und des Wettbewerbs. Auf¬fällig ist die Mediatisierung dieser Vorgänge. Statistiken gewinnen Aufmerksamkeit und motivieren Anschluss¬kommuni¬ka¬tionen vor allem dadurch, dass sie in den Massenmedien veröffentlicht werden.

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Und wenn sie nicht mehr zurechtkommen, dann geht es erst mal richtig los. Diebstahl, Saufen, Schlägereien. Menschen, die in all den Jahren etwas für ihre Rente auf die hohe Kante zurücklegen hätten können, taten es meistens nicht und werden so ohne Auskommen bleiben. Also Schlangenstehen vor dem Sozialamt, Bettelei. (…) Viele Menschen denken nicht daran, was in der Zukunft passiert. “ Die wirtschaftlichen Aktivitäten um die Grenze herum wirken sich demoralisierend auf die Jugendlichen aus und verstärken soziale Missstände durch erhöhten Konsum von billigen alkoholhaltigen Getränken.

Die potenziellen Konsequenzen dieser Haltung gefährden nicht nur die betroffenen Familien, sondern die gesamte lokale Gesellschaft. Ein Verwaltungsangestellter fasst seine Sicht wie folgt zusammen: 40 Hanna Bojar „Sollte die Grenze irgendwann dicht gemacht werden (…). Dann werden all die Kleinhändler fliegen. Sie werden auf den Arbeitsmarkt nicht mehr zurückkommen können. Sie kommen nicht mehr zurecht. Und wenn sie nicht mehr zurechtkommen, dann geht es erst mal richtig los. Diebstahl, Saufen, Schlägereien.

Dieser besondere Charakter der Region steht hinter der Entstehung von spezifischen Beziehungen und Verbindungen innerhalb der lokalen Gesellschaft, in der die Struktur familiärer Bindungen das Grundmuster darstellt. 3 Mehr zu der Charakteristik der lokalen Gesellschaften in den nördlichen Regionen Polens sowie ihrer sozialen und historischen Prägung bei Sakson 2001 und Bartkowski 2005. 1 Die Familienmatrix sozialer Beziehungen Nun wollen wir den Versuch unternehmen, die für die Kohäsion einer lokalen Gesellschaft negativen Folgen einer solchen Familienmatrix sozialer Beziehungen zu beleuchten.

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